Donnerstag, 19. April 2012

[Fanfiction] The Last Hunger Games. Kapitel 6

Ich habe momentan echt viel mit der Schule zutun. Auch, weil ich Ende Mai meine letzten Abiturprüfungen habe.
Deshalb habe ich heute "nur" ein weiteres Kapitel dabei!


Kapitel 6

Schlagartig wird mir auch klar, warum. Wir sind keine Kinder aus den Distrikten, die man noch kennenlernen muss. Wir sind keine Stars in ihrer Show. Wir sind ihre Kinder. Die Leute, die dort am Straßenrand stehen, die all die vergangenen Jahre den Kindern zugejubelt haben, die nun tot sind, kennen uns. Und wir kennen sie.
Der erste Wagen setzt sich in Bewegung. Immer noch ist es still. Nur das Hufgetrappel der Pferde ist zu hören.
Ich hoffe, dass ich meine Familie nicht hier irgendwo stehen sehe. Doch vermutlich sind sie zu Hause geblieben. Der Schmerz ist zu groß. Aber sie müssen mir im Staatsfernsehen sowieso zusehen. Was sie wohl gerade machen … Denken sie an mich oder haben sie mich schon vergessen? Streiten sie sich wegen mir?
Mein Magen dreht sich um und ich habe das Gefühl, mich gleich übergeben zu müssen, als sich auch unser Wagen in Bewegung setzt. Vielleicht liegt es daran, dass wir uns auf einem Fahrzeug befinden, vielleicht liegt es auch an meinem Gefühlszustand, ich weiß es nicht, aber ich schwanke. Ich sehe mich schon auf der Straße liegen und dass ich von den anderen Wagen überfahren werde, als sich plötzlich ein Arm um meine Taille schlingt. Er gibt mir Halt. Er sorgt dafür, dass ich nicht umfalle.
Sam.
Ich sehe ihn an und flüstere kaum hörbar „Danke.“ Dann blicken wir nach vorne auf die Straße. Ich möchte den Kapitolbewohnern, die in einem Schockzustand zu sein scheinen, nicht in die Gesichter sehen. Immerhin müssen sie nicht in die Arena. Sie können glücklich weiterleben und wir sind bald schon vergessen.
Je weiter wir unseren Weg fortsetzen, desto unangenehmer wird es. Die Stille frisst sich durch meinen Körper, meine Gedanken. Aber fast haben wir es geschafft. Wir müssen nur noch um zwei Biegungen fahren, bevor wir wieder auf dem großen Platz ankommen.
Aber was uns da erwartet, schockt mich. Wo vorhin zu Beginn der Parade noch Stille geherrscht hat, jubeln die Menschen plötzlich. Sie schreien unsere Namen und klatschen. Sogar laute Musik ist im Hintergrund zu hören. Sam scheint auch verwirrt zu sein, denn sein Griff um meine Taille lockert sich etwas.
In dem Moment, als mir diese Situation bewusst wird, fahren wir gerade in das Trainingscenter. Als wir vom Wagen steigen, lässt mich Sam los.
„Ihr habt fantastisch ausgesehen“, begrüßen uns Acta und Kolja einstimmig.
Ich bin aber immer noch verwirrt. Nun, da alle Wagen da und die Türen verschlossen worden sind, können wir die Rufe und Gesänge vom großen Platz nicht mehr hören.
„Was ist da draußen passiert?“, frage ich, als ich meine Stimme wiedergefunden habe.
„Was meinst du, Emily?“, fragt Acta. Offenbar hat sie es nicht mitbekommen oder es ist ihr einfach egal. Auch Kolja sieht mich fragend an.
„Die Menschen“, unterstützt mich Sam. „Als die Parade begann, war alles ganz still und jetzt … Es ist nun genauso wie früher.“
„Freut euch doch, dass die Menschen euch zugejubelt haben“, sagt Kolja.
Ich weiß immer noch nicht, was ich von all dem halten soll. Vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber irgendetwas läuft hier nicht richtig. Hat es während unserer Fahrt vielleicht eine Ansage von Präsidentin Paylor gegeben, die wir nicht mitbekommen haben? Wurden die Menschen gezwungen, noch einmal den Geist der Spiele zu erfüllen?
Vermutlich werde ich niemals Antworten bekommen, aber diese Fragen spuken weiter durch meine Gedanken. Selbst als ich bereits im Bett in der zweiten Etage des Trainingscenters liege und versuche, diesen Tag zu vergessen.
Aber ich kann diesen Tag nicht vergessen oder aus meiner Erinnerung streichen. Bis zu meinem Tod werden mich die Geschehnisse, auch jene, die noch kommen, verfolgen. Ich werde in der Arena gewiss nicht aufgeben und mich schnell töten lassen, aber die Vorstellung, andere zu töten, jemanden zu töten, den ich kenne, ist surreal. Ich habe nicht vor, das zu tun. Aber was, wenn ich keine Wahl habe? Wenn mich jemand, den ich kenne, mit einer Waffe attackiert?
Ich schließe ganz fest meine Augen und versuche, an etwas anderes zu denken. Leider gelingt es mir nicht. Wenn ich dann doch eingeschlafen bin, wache ich kurze Zeit später wieder auf. So geht das die ganze Nacht.
Als die Uhr neun anzeigt, beschließe ich, aufzustehen. An die Duschen hier im Kapitol bin ich bereits gewöhnt, deshalb geht es recht schnell. Ich lasse mich einseifen und dann von kaltem Wasser abspülen, um meine Lebensgeister zu wecken. Aber sie lassen mich heute im Stich. Ich bin sehr müde und habe das Gefühl, dass man meine Augenringe mit keiner Schminke der Welt überdecken kann.
Der Frühstücksraum ist noch leer, als ich ihn betrete. Dennoch nehme ich mir ein Brötchen und etwas Käse und beginne zu essen. Unsicher schaue ich mich um. Die Avoxe, die stummen Diener des Kapitols, machen mir Angst. Warum sind sie überhaupt noch hier? Präsident Snow wurde gestürzt. Ich will lieber nicht weiter darüber nachdenken, woher diese Avoxe stammen. Vielleicht sind sie früher Kapitolbewohner gewesen und nun von den Rebellen bestraft worden?
Nein, das kann nicht sein. Die Rebellen wollen den Frieden wiederherstellen und nicht genauso grausam herrschen, wie wir früher.
Als ich den letzten Bissen zu mir nehme, kommt Sam herein. Er lächelt mir kurz zu, aber ich sehe ihm an, dass auch er nicht gut geschlafen hat.
„Morgen“, sagt er, als er sich mit seinem Frühstück neben mich setzt. Ich schiebe meinen Teller weit von mir weg. Obwohl ich nur ein einziges Brötchen gegessen habe, ist mir furchtbar schlecht. Es ist noch schlimmer, als gestern bei der Wagenparade.
Man muss mir wohl ansehen, dass ich dagegen kämpfe, dass mein spärliches Frühstück wieder hochkommt, denn Sam wirft mir einen besorgten Blick zu.
„Was hast du?“, fragt er und eine Sorgenfalte bildet sich auf seiner Stirn.
Bevor ich den Kampf gegen das Frühstück verliere, kann ich gerade noch auf die Toilette rennen.
Nun fühle ich mich richtig elend. Merkwürdig, seltsam, schießt es mir durch den Kopf. Natürlich habe ich Angst vor den Spielen, aber ich bin bereit, den Kampf aufzunehmen und dennoch sagt mein Körper etwas ganz anderes.
Ich lasse mich gerade auf den Boden sinken, als jemand zaghaft an die Tür klopft.
„Alles in Ordnung. Alles gut“, rufe ich, aber nur, weil ich lieber alleine sein möchte. Dennoch tritt die Person ein und unter der Türspalte erkenne ich braune Turnschuhe.
„Ich glaube nicht, dass alles in Ordnung ist, Emily“, sagt die Person und sie hat Sams Stimme.
„Weißt du, wir sind zwar hier im Kapitol und im Grunde kann jeder das machen, was er will, aber sich als Mann in Damentoiletten aufzuhalten, gehört sicher nicht dazu.“
Er lacht leise. Wenigstens hat er seinen Spaß. Bis zu dem Countdown vielleicht. Dann wird jedem, absolut jedem der Spaß vergehen.
Langsam öffnet er die Tür zu meiner Toilettenkabine und setzt sich mir gegenüber auf den Boden. Mit Sam zusammen hier zu sitzen – in dieser engen Kabine – ist mir irgendwie unangenehm. Bereits gestern habe ich mich damit abgefunden, dass wir nun ein Team bilden sollen. Wenigstens innerhalb der nächsten vier Tage. Danach sind wir Konkurrenten. Die Zeit, ihn nach einer Verabredung zu bitten, ist vorbei. Ich habe meine Chance verpasst und nun stecken wir beide in dieser Situation hier fest. Ob meine Gefühle für ihn noch da sind, weiß ich nicht. Aber selbst wenn ich sie nur unterdrücke, darf ich sie nicht mehr zulassen. Das würde vermutlich tödlich enden.
Aber wenn ich ihn dann so vor mir sitzen sehe, mit seinem wuscheligen braunen Haar und seinen warmen grünen Augen, die mich anzulächeln scheinen … Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er in wenigen Tagen tot sein könnte. Und ich mit ihm.
„Bist du nervös wegen des Trainings?“, fragt er schließlich.
Ich schüttele den Kopf und vermeide es, ihn anzusehen. „Nein. Ich weiß gar nicht, was los ist. Eigentlich … Weißt du, ich habe mich im meinem Kopf bereits dazu entschieden, nicht aufzugeben und alles zu tun, damit ich da wieder rauskomme. Aber … Ach keine Ahnung.“
„Irgendwie geht es mir ähnlich“, sagt er und nun sehe ich ihn doch wieder an. „Ich will nicht aufgeben. Auch wenn es schwer werden wird. Aber dennoch kommen mir ständig diese Zweifel. Und ich sehe die Arenen der letzten Jahre vor meinem geistigen Auge. Und die Tode. Ich will nicht so enden.“
In diesem Moment sieht er so traurig aus, dass ich ihn am Liebsten in den Arm nehmen würde, aber ich zwinge mich dazu, es nicht zu tun. Deshalb versuche ich es mit Aufmunterung, die in unserer Situation aber auch nach hinten losgehen kann.
„In gewisser Weise haben wir noch Glück.“ Er hebt den Kopf. „Die anderen haben allesamt keine Ahnung, wie man überlebt. Wie man sich Essen und Trinken in der Wildnis besorgen kann. Vielleicht wird es nicht so schwer, wie wir es uns denken. Die Karrieretribute in den letzten Jahren haben immer alles an sich gerissen und Jagd auf die anderen gemacht. Aber das kann diesmal nicht so laufen. Niemand von uns hat Ahnung von so etwas.“
Sam lacht kurz auf, es klingt aber nicht herzlich. „Genau das ist der Punkt, Emily. Niemand von uns weiß, wie man in der Wildnis überlebt. Niemand kann jagen oder weiß, wo er Wasser findet.“
„Aber das macht das Ganze doch noch einfacher“, sage ich und werde schon fast enthusiastisch, weil mich meine eigenen Worte motivieren. „Die anderen werden schnell wegen Durst oder Hunger sterben. Wir müssen nur etwas länger überleben, als sie. Diese Spiele dürften wirklich schnell vorüber sein.“
„Glaubst du wirklich, dass es so sein wird? Vielleicht ist es total einfach, Nahrung und Wasser zu finden, damit wir lange überleben und uns gegenseitig töten müssen.“
„Sam“, sage ich und berühre seinen Arm. „Was glaubst du wohl, warum die Spiele Hungerspiele heißen? Vermutlich wird es nur wenig Nahrung geben. Wir sind Kinder aus dem Kapitol. Wir kennen Hunger nicht.“
Sam denkt eine Weile nach. Dann nickt er. „Das klingt logisch. Und wenn es so ist? Wie finden wir, was wir brauchen?“
„Ganz einfach“, sage ich und schaue auf die Uhr, die über den Waschbecken hängt. „Pass gut beim Training auf.“

Kommentare:

  1. Yeah, deine Story rockt!!! Wirklich, ich hab es gerade verschlungen, wortwörtlich. Danke, nochmal fürs hochladen!

    LG lisa <3

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  2. Boha, bin gerade durch eine Blogroll auf deinen Blog gestoßen und gliech Leserin geworden! ;D Ich denke nur "PAAAAANEM" und weiß, dass ich hier genau richtig bin! :D

    Liebe Grüße

    Linn

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  3. Klar schicke ich dir dann eine Karte :D Ich sag dann wenn ich gehe ;)

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