Montag, 25. Juni 2012

[Rezension] Battle Royale (Koushun Takami)

Titel: Battle Royale
Autor: Koushun Takami
Verlag: Gollancz
Seiten: 616
Genre: Thriller
Sprache: Englisch (Taschenbuch)
Preis: 11,95€

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Klappentext:
Koushun Takami's notorious high-octane thriller is based on an irresistable premise: a class of junior high school students is taken to a deserted island where, as part of a ruthless authoritarian program, they are provided with weapons und forced to kill one another until only one survivor is left standing.

Criticised as violent exploitation when first published in Japan - where it then proceeded to become a runaway bestseller - Battle Royale is Lord of the Flies for the 21st century, a potent allegory of what it means to be young and (barely) alive in a dog-eat-dog world. Made into a controversial hit movie of the same name, Battle Royale is already a contemporary Japanese pulp classic, now available for the first time in the UK.

Meine Meinung

"Your class has been selected for this year's 'Program'." S.39

Bevor das Buch bei mir zu Hause ankam, hatte ich bereits einige Szenen von der Verfilmung gesehen. Oje, Dani dachte ich mir Was hast du denn da für ein Buch gekauft? Aber man sollte dabei im Hinterkopf behalten, dass Filme, die sich mit einer solchen Thematik befassen, immer brutaler sind, als das Buch. Ich will jetzt nicht behaupten, dass der Film schlimmer ist, aber all dies visualisiert zu sehen, ist natürlich viel schlimmer und grausamer, als es zu lesen (Obwohl das auch schon heftig genug ist). 
Das Buch beginnt mit einer Einleitung, in der erklärt wird, was Battle Royale eigentlich bedeutet: Es ist eine Art von Wrestling. Dabei steigen zehn bis zwanzig Teilnehmer in den Ring und können machen, was sie wollen, solange sie bestimmte Regeln nicht verletzen. 
Danach folgt eine interne Anmerkung der Regierung, die ziemlich verwirrt (der Inhalt der Anmerkung wird erst am Ende des Buches aufgeklärt).
Einige Notizen, um den Überblick zu behalten ;)
Die eigentliche Handlung beginnt erst danach. Die neunte Klasse B der Shiroiwa Junior High School befindet sich derzeitg in einem Bus- sie machen eine Klassenfahrt. Zunächst hatte ich einige Probleme mit den japanischen Namen, nicht zuletzt, da es 42 Schüler gibt. Aber man gewöhnt sich schnell daran. Auch deshalb, da am Anfang des Buches eine Schülerliste mit Nummerierung nach Geschlechtern getrennt aufgeschrieben ist. Eine weitere, gute (vielleicht auch makabere) Gestaltung ist der Überblick über die noch Lebenden. Zu Beginn jedes Kapitels steht die Schülerzahl, die noch lebt.

Unsere Hauptperson ist Shuya Nanahara. In personeller Sicht wird erzählt, wie Shuya's Leben aussieht, wer und wie seine Klassenkameraden und seine Freunde sind. Dieser Anfang vermittelt eine total normale Klassenfahrt. Richtig süß ist die Szene, als Noriko Shuya und seinem Freund Yoshitoki selbstgebackene Kekse bringt und dabei ganz rot wird. Es ist eine normale Situation unter Klassenkameraden, die miteinander reden, lachen und scherzen. Aber schon bald hört der Spaß auf.
Denn gegen Abend schlafen alle ein, nur Shuya ist noch wach, wenn auch schläfrig. Er sieht sich um und weiß sofort, dass irgendwas nicht stimmt.
Als er das nächste Mal aufwacht, sitzt er zusammen mit seinen noch schlafenden Klassenkameraden in einem Raum, der ihm nicht bekannt vorkommt. Kaum wachen alle auf, stürmt ein Mann in den Raum, gefolgt von drei bewaffneten Soldaten und verkündet ihnen, dass ihre Klasse für das diesjährige 'Programm' ausgewählt worden ist. Das 'Programm', auch Battle Experiment No. 68 Program genannt, ist ein seit 1947 stattfindendes Programm, bei dem eine neunte Klasse per Zufallsverfahren ausgelost wird. Diese wird zu einem geheimen Ort gebracht. Sie sollen sich gegenseitig töten, bis nur noch eine/r übrig bleibt. Sinn und Zweck des Ganzen ist eine für mich nicht nachvollziehbare paranoide Angst des Diktators. Nach seinen Worten zu urteilen hält er Japan für das beste und wohlhabenste Land der Welt und will nicht durch Amerika und ähnliche Länder in Bedrängnis gebracht werden. Da es keine Wehrpflicht gibt, sieht der dieses Programm als eine Wehrpflicht an, in der junge Menschen freiwillig (!) ihrem Land dienen und seinen Wohlstand für immer festsetzen. Damit bezieht sich der Diktator auf die Freiwilligen in der Army und die Air Special Defense Forces. Natürlich ist seine Erklärung für das 'Programm' absolut lächerlich und auch nicht wirklich nachvollziehbar, denn die Jugendlichen machen das einhunderprozentig nicht freiwillig und es hilft dem Land nicht weiter, außer dass es viele, viele Nachkommen verliert. In den Anfangsjahren war es sogar noch schlimmer, denn es wurden jährlich fünfzig Klassen ausgewählt.
Nicht, dass das Töten der Klassenkameraden nicht schon schlimm genug ist, tragen alle von ihnen eine Art Halsband, das sicherstellt, dass auch nach den Regeln gespielt wird.
Die Regeln sind einfach, aber unglaublich grausam:
1. Tötet, bis nur noch eine/r übrig ist.
2. Gibt es innerhalb von 24 Stunden keinen einzigen Toten, so werden sie Halsbänder aktiviert und explodieren- alle!
3. Alle sechs Stunden gibt es eine Ansage vom "Ausbilder", der die Toten verkündet und die verbotenen Zonen. Alle zwei Stunden wird eine Zone zu einer verbotenen. Sollte sich danach noch jemand in einer verbotenen Zone befinden oder sie betreten, stirbt er oder sie durch das explodierende Halsband.
Zu Beginn des 'Programms' erhält jeder Schüler einen Rucksack mit Essen, Trinken, einem Kompass, einer Waffe und einer Karte. Die Karte ist von einem Rastermuster überzogen, sodass man jederzeit sehen kann, in welcher Zone man sich befindet. 

Je nach ihrer Nummer, werden die Schüler abwechselnd nach Geschlecht nach draußen entlassen und das Spiel beginnt. Es beginnt bereits, bevor alle Schüler aus dem Gebäude draußen sind. Denn als Shuya das Freie betritt, liegt schon die erste Tote vor dem Eingang. Es gibt also Schüler, die das Spiel spielen.
Und das ist eben das Grausame und auch Kritikwürdige an dem Buch. Es ist schlimm genug, dass sich die Schüler gegenseitig töten müssen und die Halsbänder tragen- womit garantiert ist, dass nur höchstens einer überlebt- aber die emotionale und psychische Belastung wird erst im Laufe des Buches ganz klar. Einige Schüler haben viel zu viel Angst, getötet zu werden, sodass sie selbst zu Mördern werden. Andere wiederum glauben, alle würden das Spiel verweigern und wollen eine Fluchtmöglichkeit finden, aber auch sie werden getötet. Schon nach wenigen Kapiteln kristallisiert sich heraus, vor wem man sich besser in Acht nehmen sollte.
Zunächst begleiten wir Shuya und Noriko, die Hauptpersonen des Buches. Shuya hat sich geschworen, Noriko zu beschützen. Denn schon bevor der Ausbilder überhaupt die Regeln erklärt hat, wurden zwei Schüler getötet- vom ihm selbst. Erst Shuya's Freund Yoshitoki, der den Ausbilder angreifen wollte- dabei wurde auch Noriko angeschossen- und schließlich Fumiyo, die es gewagt hat, während den Erläuterungen zu flüstern.
Die Erzählform des Buches ist sehr clever gewählt. Wir kommen immer wieder zu Shuya und Noriko zurück, aber zwischendurch begleiten wir andere Schüler, deren Begegnung meist mit einem grausamen Tod endet. Dabei zählt natürlich auch die Ungerechtigkeit hinzu. Die Waffen, welche sich in den Rucksäcken befinden, sind total unterschiedlich, von Dartpfeilen bis hin zu Äxten und Pistolen. Die wohl tödlichste Waffe in diesem Spiel ist eine Maschinenpistole, die ausgerechnet Kazuo Kiriyama in die Hände fällt. Er ist absolut emotionslos, tötet alles und jeden, dem er begegnet. Er selbst glaubt, das dies von einem Unfall herrührt, bei dem er noch ungeboren im Bauch seiner Mutter war und sie dabei starb. Allerdings ist ihm das total egal. Er hat seinen Freunden eine Nachricht hinterlassen, wo sie sich treffen sollen und bringt alle um.
So grausam die Tötungen auch sind, hat das Buch immerhin stolze 616 Seiten und muss noch anders gefüllt sein. Es gibt auch völlig normale Szenen, in denen sich die Schüler über ihre Vorlieben und ihre Hobbies unterhalten, als wäre es eine ganz normale Klassenfahrt. Es kommen auch viele Geheimnisse ans Licht. Zum Beispiel die Schwärmereien füreinander. Und so kommt es dazu, dass sie die "Verliebten" natürlich suchen, aber dies endet meist mit dem Tod.
Ziemlich traurig ist die Suizidszene zu Beginn eines Liebespaares. Sie wollen da nicht mitmachen, weshalb sie sich gemeinsam von einer Klippe stürzen.
Nun habe ich euch ja genug Beispiele für die Grausamkeit und Brutalität geliefert, aber wenn die Schüler locker miteinander reden oder über ihre Vergangenheit nachdenken, vergisst man fast selbst, dass sie in diesem 'Programm' festsitzen. Das Buch ist auf keinen Fall darauf ausgerichtet, ein Massaker darzustellen, dazu ist es viel zu komplex.
Die zentrale Frage, die sich durch das ganze Buch zieht, ist ganz klar: Wem kann ich vertrauen? Obwohl sie alle Klassenkameraden sind, so weiß man doch nicht alles über sie. Sogar Freunden und besten Freunden wird misstraut. Und genau dieser psychische Aspekt macht dieses Buch grausam. Man solle lieber nur auf das hören, was man selbst über die Person weiß.

"Someone once said, if you could see for yourself then there's no need to lend an ear to what others said." S.31

Obwohl sich alle Klassenkameraden vom neuen Schüler Shogo Kawada in einer gewissen Weise bedroht fühlen, verbünden sich Shuya und Noriko mit ihm. Denn Shogo wahrt ein Geheimnis: Er ist der Sieger des 'Programms' im letzten Jahr. Eigentlich sollte uns das nur misstrauischer machen, immerhin hat er dann schon vorher getötet. Aber Shuya und Noriko vertrauen ihm. Und er hilft ihnen wirklich und schmiedet einen Fluchtplan für die beiden.
Traurig an Shogos Geschichte ist, dass er wirklich erneut bei dem 'Programm' teilnehmen muss, obwohl die Chancen sehr gering sind. Der Gewinner erhält eine ordentliche Geldsumme, die allerdings kleiner ausfällt als angepriesen, und eine Autogrammkarte des Diktators. Shogo war nach dem 'Programm' schwer verletzt und musst deshalb lange im Krankenhaus bleiben. Schließlich blieb ihm nichts anderes übrig, als die neunte Klasse zu wiederholen. Der Gewinner muss nach der Auskurierung in eine andere Schule und darf niemals über das 'Programm' sprechen. Das einzige, was die Öffentlichkeit davon mitbekommt, ist das Siegerfoto in der Zeitung.
Je weiter man im Buch kommt, desto tiefer lassen die Charaktere in sich blicken, auch wenn die meisten nach dem ersten Erscheinen getötet werden. Geheime Schwärmereien werden aufgedeckt und Misstrauen geschürt, sodass bald nur aus Misstrauen getötet wird. Obwohl alle geschockt darüber sind, dass sie Teil dieses 'Programms' sein sollen, spielen erstaunlich viele von ihnen mit- was auch verständlich ist, denn wer will schon von einem Klassenkamerad getötet werden? Somit gibt es nach wenigen Stunden bereits 11 Tote. Dieses Spiel im Gesamten, also bis zu seinem Ende dauert nur knapp 48 Stunden, dann sind (scheinbar) 41 Schüler tot. 
Das Ende jedoch hält einige Überraschungen bereit. Ich war so aufgeregt, dass ich gar nicht mehr mit dem Lesen nachkam. Mein Mund klappte dauernd auf, weil ich das, was ich da las, nicht glauben konnte. Und dann gab es aber doch wieder eine Wendung. Eine fantastische Umsetzung der Idee! Die Spannung bleibt nie aus- auch nicht am Ende.
Obwohl ich das Buch wirklich ziemlich gut finde, ist es irgendwie makaber, das zu sagen. Ein Diktator, der völlig den Verstand verloren hat, errichtet ein 'Programm', bei dem eine neunte Klasse dazu verdammt ist, sich gegenseitig bis auf einen einzigen Schüler zu töten. Die Vorstellung ist schon grausam genug, wenn sich Menschen überhaupt töten müssen, aber Klassenkameraden? Selbst diejenigen, die man nicht leiden kann, würde man doch nicht töten wollen oder können. Stellt euch die Situation vor: Eure Klasse wird "entführt" und ihr müsst euch gegenseitig töten, bis nur noch einer übrig ist. Das ist eine so heftige Vorstellung, dass man Herzrasen bekommt. Und wem würdest du trauen? Wem könntest du trauen? Sicher sein kannst du dir nicht. In extremen Situationen tun Menschen dumme Dinge, sie werden verrückt, weil ihre eigene Psyche und die Umstände ihnen Streiche spielen. Wenn du mitten in diesem Spiel wärst und einem Klassenkamerad begegnest, der eine Pistole in der Hand hält, würdest du nicht sofort auf ihn losgehen, damit er dich nicht zuerst tötet? Und das, obwohl du gar nicht sicher weißt, ob er dich töten wollte.
Die Angst vor dem Tod und das große Unwissen über andere Menschen treibt dieses 'Programm' voran.
Dieses Buch ist sehr realistisch, obgleich es zur Zeit der Jahrtausendwende in der Vergangenheit spielt. Es ist eine Situation, die sich jeder vorstellen könnte. Es gibt auch heute in unserer Welt genug Diktaturen und oftmals wissen wir gar nicht, was dort vor sich geht. Wer weiß, was in dieser Welt alles passiert? Authentisch wird es auch für den Leser, denn jeder von uns ist oder war einmal Schüler und weiß, wie es ist, wenn man in einer Klassengemeinschaft ist.
Das Ende ist ebenfalls sehr realistisch dargstellt. Mehr sage ich dazu nicht. Lest es selbst :)

Battle Royale ist ein heftig kritisierter Roman, der jedoch authentisch und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen zeigt, wozu Menschen fähig sind, wenn sie von anderen Menschen in eine Situation gedrängt werden, die unseren Verstand übersteigt.

Wie ich bereits geschrieben habe, ist eine visualisierte Tötungsszene schlimmer, als eine geschriebene. Deshalb würde ich sagen, dass man das Buch ab 16 Jahren lesen kann. Allerdings werden manche Tötungen sehr genau beschrieben (dabei handelt es sich meist nicht um "einfaches Erschießen oder Erstechen") und wer mit so etwas nicht gut klarkommt, sollte das Buch nicht lesen oder erst, wenn er/sie älter ist.
Ich habe den Film noch nicht komplett gesehen, aber was ich gesehen habe, ist wirklich schlecht. Abgesehen davon, dass Tatsachen verändert worden sind, zielt der Film wirklich nur auf ein Massaker ab. Zu Recht ist er also erst ab 18 freigegeben. Falls du schon 18 bist und den Film dennoch mal ansehen möchtest, dann schreib mich an und ich schicke dir den Link (keine Sorge, ist auf Youtube, also nicht illegal-->aber von selbst nur sehr schwer zu finden).

5 Marshmallows
 
-->Ich habe lange über die Bewertung nachgedacht. Natürlich sind die Tötungsszenen und das Szenario des 'Programms' nicht gerade schön, aber es ist ein ziemlich gutes Buch, weshalb ich mich letztendlich für 5 Sterne entschieden habe. Aber wie gesagt, wenn man mit so etwas nicht klarkommt, sollte man das Buch nicht lesen.

Kommentare:

  1. Wenn dir das Buch gefallen hat, sind die 5 Sterne auch gerechtfertigt. Sehr gute und ausführliche Rezension.
    Wir haben den Film mal ausgeliehen und angefangen, aber der war einfach NUR SCHLECHT :-)

    Glg

    Steffi

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  2. Geniale Rezension! :) Das Buch kommt definitivauf die WL, den Film kenne ich schon und fand den gar nicht soo schlecht, mag ihn sogar. ;)

    Danke für die Rezi! *-*

    LG <3
    Lydia

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  3. Ich sehe schon, du hast die Glanzseiten direkt gefunden :D Die deutsche Ausgabe hatte auch die Beschreibungen, Namensliste und die Karte.

    Freue mich, dass dir das Buch gefallen hat. Für mich ist es noch immer ein Highlight, obwohl ich es vor zig Jahren gelesen habe.

    Ich stehe auf solche Filme, darum fand ich den Film ganz gut ;D Es ist halt Gemetzel ... aber da habe ich nichts gegen ;-)

    Liebe Grüße
    Marleen

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  4. Das stimmt. Wenn man im Film das Buch erwartet, dann ist das leider nicht der Fall. Das Buch steht da definitiv vor dem Film :)

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  5. Also ich fand den Film super, das Buch kenne ich leider nicht. :)

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  6. Das klingt ja so, als sollte ich das Buch mal lesen. Mir hat schließlich im Gegensatz zu vielen auch der Film gefallen :P

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